Mit MIT mitbestimmen

Mit MIT mitbestimmen


„Zu einem grossen Manne gehört beides: Kleinigkeiten als Kleinigkeiten
 und wichtige Dinge als wichtige Dinge zu behandeln.“
Gotthold Lessing (1729 - 1781)

Ziele kennen bedeutet, Prioritäten zu setzen. Mit Prioritäten habe ich so meine Probleme, weil es mir widersprüchlich erscheint, dass es mehrere Prioritäten geben soll. Das Wort tauchte das erste Mal im 14ten Jahrhundert auf, nur in der Einzahl und erst 500 Jahre später, im 20ten Jahrhundert wurde es pluralisiert. Für mich macht der Plural keinen Sinn. Priorität bedeutet für mich Vorrang, Vortritt, Privileg oder Vorzug – und die alle existieren in meiner Linguistik nur im Singular. Deshalb, nochmal: Ziele kennen bedeutet sogleich, eine Priorität nach der anderen zu setzen.

Warum? Weil viele Probleme, die wir uns schaffen, oft darauf zurückzuführen sind, dass wir „und“ und „oder“  salopp verwechseln. Und steht für Multitasking und Multitasking führt zu Mittelmass. Und ist mehr als eine Sache. Und gebärt uns Konflikte: „Ich möchte körperlich fitter werden und faul auf der Couch liegen“ oder „ich will abnehmen und die Schwarzwälder Kirschtorte essen“. Oder ist eine Sache. Entweder „ich gehe ins Kino“ oder „ich koche für meine Liebste(n)“ – bei oder werden Entscheidungen getroffen – und Entscheidungen sind immer besser, als den Kopf in den Sand zu stecken – weil da immer noch der Arsch herausschaut und mit einem Fahrradständer verwechselt werden kann.

Wenn man eine persönliche Strategie-Sitzung (PSS) mit sich geplant hat, dann hat man entschieden, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Hat man sie durchgeführt, dann ergeben sich Ziele. Ziele an sich helfen noch gar nicht. Es geht um die Umsetzung und um den Widerstand in der Meinung, „Ist ja alles gut, aber woher soll ich mir denn die Zeit nehmen?“

Alles, was uns wichtig ist, steht im Vordergrund. Genauer betrachtet, erkennen wir jedoch manchmal, dass wir nicht den wirklich wichtigen und damit für uns wertvollen Aufgaben den Vorzug geben, sondern den dringlichen. Da bietet sich ein kleines tägliches Ritual an, entweder am Vorabend oder am Morgen, bevor die Flut über einen hereinbricht: Die Entscheidung, sich für MIT (Most Important Task) fünf Minuten Zeit zu nehmen.

MIT hat meine Produktivität und Lebensqualität auf neue Höhen katapultiert.

Ich persönlich glaube an die Magie von Ritualen und an Regeln, die man sich selbst auferlegt. Mein Morgenritual beginnt mit einem Espresso am Tisch und für fünf Minuten mit nichts anderem, als zu wertschätzen und dankbar zu sein. Das Akronym POET hilft mir dabei: Für Personen die ich kenne, für Opportunitäten die ich erleben durfte oder die sich mir heute bieten, für Erfahrungen die ich gesammelt habe und die ich heute erleben werde und für Tinge (ok – Dinge), die mein Leben so vereinfachen. Nachdem ich den Espresso genossen habe, (allein, was alles notwendig war, um diesen Espresso geniessen zu können…) ist es Zeit für MIT, the Most Important Task (wichtigste Aufgabe heute). Ich plane meinen Tag und mit MIT macht das Spass und dauert selten länger als fünf Minuten. MITs sind nichts anderes als wertvolle Aufgaben für mich. MIT habe ich das erste Mal bei Leo Babauta  gefunden und für mich modifiziert.

Meine Tagespläne schreibe ich in mein Journal, von Hand und mit meinem Lieblingsstift. In die erste Zeile kommen nebeneinander meine maximal drei MITs für den Tag. Weniger können es sein, mehr ist mir nicht erlaubt. Dies sind die drei Aufgaben, die ich heute auf jeden Fall erledigen will und die mich in meinen langfristigen Zielen unterstützen und weiterbringen. Sally am Freitag um 14.00 Uhr zum Haareschneiden besucht zu haben war kein MIT, während, weil heute Sonntag ist, ich die nächste Woche überdenken und planen werde, ist heute eine MIT für mich. Eine der drei MITs ist nur für mich persönlich und die beiden anderen sind normalerweise arbeits- oder beziehungsorientiert. Dann schätze ich jeweils den Zeitaufwand für die MITs, sehe die drei MITs als Termine an und trage sie in den Kalender ein. Natürlich erledige ich mehr als drei Dinge pro Tag, aber diese drei MITs, die müssen erledigt werden. Darunter, in den nächsten Zeilen, notiere ich, was ich denn sonst heute alles vollbringen will oder kann. Das Ritual beende ich mit einer kleinen Belohnung, ich genehmige mir den zweiten Espresso.

Wenn möglich, werden diese drei MITs als Erstes erledigt. Als ich mit dieser Routine anfing, die ja ziemlich einfach erscheint, fiel es mir schwer, mich auf nur drei MITs festzulegen. Im Laufe der Zeit lernte ich, dass ich wesentlicher produktiver und fokussierter arbeite, wenn ich mich in der Anzahl der MITs einschränke. Es fällt mir inzwischen selten schwer, mich für nur drei MITs zu entscheiden. Ich kann mir den Beginn eines jeden Tages nicht mehr anders vorstellen. Es ist eines der kleinen Rituale, das zumindest bei mir, grosse Wirkung zeigt und zur Gewohnheit geworden ist.

An einer der MITs arbeiten, bedeutet für mich, nicht anderes zu tun. Da ist das Telefon, WhatsApp, Skype, das E-Mail-Programm und alles was mich sonst noch stören könnte im Flugmodus. Da poppt nichts am Bildschirm auf. Wissenschaftler gehen davon aus, dass uns jede Unterbrechung um 20 Minuten zurückwirft. Mit nur drei MITs auf dem Blatt, bin ich motiviert gleich anzufangen, bin proaktiv und nicht reaktiv und es ist ungleich einfacher, eine Aufgabe aus dreien auszuwählen, als die Qual der Wahl von mehr als 20 Aufgaben zu haben. Nicht jede MIT ist eine grosse Sache. Es sind Dinge, die schweben und erledigt werden wollen. Jedes Abhaken einer MIT ist ein Erfolg, das lässt das Dopamin fliessen und gibt mir ein gutes Gefühl.

Die anderen Dinge auf der Liste

Auf welcher Liste? Ich glaube, im Sinne von Produktivität findet jeder sein eigenes System. Mein System sieht so aus: Ich packe jene Dinge, die zwar erledigt werden sollen, aber nicht termingebunden sind, auf eine separate Liste. Diese Liste, die Sekundärliste, ist also keine To-Do-Liste, sondern lediglich ein Fundus von Aufgaben, die irgendwann erledigt sein wollen – vielleicht.

Wie bei jeder Aufgabe gilt die englische Regel der 4Ds.

Do – Delegate – Delete – Delay  (dt.: Tun, Delegieren, Entsorgen, Verschieben).

Auf diese Liste greife ich zurück, wenn meine „MITs “ notiert sind und schreibe in die nächsten Zeilen, was für mich, für heute Sinn macht und wert ist, bearbeitet zu werden.

Manche Produktivitätsgurus schwören darauf, diese MITs am Vorabend zu erledigen. Ich glaube schon, dass das Sinn macht, aber ich kann so spät einfach keine Espressi mehr trinken.

Die Ivy Lee Methode

Charles Schwab, 1918 der Präsident von Betlehem Steel Corporation (dem grössten Schiffsbauer und zweitgrösste Stahlproduzent in Amerika) galt damals als einer der reichsten Männer. Er engagierte einen bekannten Produktivitäts-Coach namens Ivy Lee. Die Geschichte soll so abgelaufen sein:

Schwab: „Zeigen Sie mir, wie wir mehr erledigen können.“

Lee: „Lassen Sie mich 15 Minuten mit Ihren Führungskräften sprechen.“

Schwab: „Was kostet mich das?“

Lee: „Nichts, ausser es bringt Ihnen etwas. In drei Monaten schicken Sie mir einen Scheck in der Höhe, die Ihnen meine Arbeit wert war.“

In den 15-Minuten-Gesprächen erklärte Ivy Lee den Führungskräften folgende einfache Methode:

1. Am Ende des Tages schreiben Sie die sechs wichtigsten Dinge nieder, die Sie morgen erledigen wollen. Nicht mehr als sechs!
2. Priorisieren Sie diese sechs Aufgaben.
3. Wenn Sie morgen zur Arbeit erscheinen, fokussieren Sie sich nur auf die erste Arbeit. Nur wenn diese erledigt ist, wenden Sie sich der zweiten zu.
4. Fahren Sie in der gleichen Art und Weise fort. Am Ende des Tages addieren sie unerledigte Dinge auf Ihre 6-Dinge-Liste für morgen.
5. Wiederholen Sie diesen Prozess jeden Tag.

Die Strategie schien einfach und Schwab und seine Mannen probierten es aus. Nach drei Monaten war Schwab über das Ergebnis so erfreut, dass er Lee zu sich einlud und ihm einen Scheck über $25,000 in die Hand drückte. Ein Scheck über $25,000 in 1918 entspricht heute circa $400.000.

„Es kommt im Leben bloss aufs Tun an; das Geniessen und Leiden findet sich von selbst.“
Johann Wolfgang von Goethe

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Sebastian Vogler 15/11/2016 · #4

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Froilán Pérez 14/11/2016 · #3

#2 Manchmal ist es gesund, den Kopf einen kleinen Moment doch in den Sand zu vergraben, finde ich. Als Lebensstrategie jedoch würde ich es nicht empfehlen. Und ab un zu kann man doch den Bauchgefühl vertrauen, nicht aber für Lebensentscheidungen.
Jedoch bin ich mit Harry einverstanden. Die von ihn vorgeschlagene Methoden werde ich ab sofort probieren.

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Christin Glockner 14/11/2016 · #2

Entscheidungen treffen ist immer besser als den Kopf in den Sand zu verstecken. Damit bin ich einverstanden, und Ihre Tipps für Tagesplanung sind ausgezeichnet, damit man die 3 "MIT" erledigt. Wie @Aurorasa Sima in ihrem Producer geschrieben hat, "Vertrauen Sie nicht Ihrem Bachgefühl" .
Beide weisen hinzu, eine Planung ist nötig, um richtige Entscheidung(en) zu treffen.

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