Renee Iseli - Smits in Artikel auf Deutsch, beBee auf Deutsch Author of "Ik ben slechthorend, nou en?" • Writer Jul 25, 2019 · 1 min read · ~100

Gäste

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Bildquelle: Rheinfall Schaffhausen, Foto Autorin

Letzte Woche hatten wir zwei Teenager, 17 und 15, zu Besuch. Obwohl wir die Beiden, Schwester und Bruder, von Geburt an kennen und wir uns mindestens ein mal im Jahr sehen, ist es doch anders, sie eine Woche ohne deren Eltern begleiten zu dürfen, um so mehr, weil wir keine Kinder gewöhnt sind, geschweige Teenager … Und genau das war auch der Absicht, uns ein bisschen näher kennen zu lernen und eine schöne Zeit miteinander zu verbringen.
Vorher hatte ich mich schon ein wenig Gedanken gemacht wegen der Kommunikation, vor allem weil ich 2 Tage allein mit den Beiden unterwegs sein würde. Zwar wissen die Beiden das ich Hörbeeinträchtigt bin, ob die Kommunikation über längere Zeit klappen würde, war für mich eine schöne Herausforderung.

Ich kann Ihnen jetzt aber mitteilen, das wir die Woche nicht nur prima überstanden haben, sondern vor allem eine wunderschöne Zeit hatten! Viel Spass, kombiniert mit viel laufen und mit ÖV-Fahrt durch die Schweiz. Die Beiden waren besonders angenehme und Pflegeleichte Gäste, was so, wie ich gehört habe, bei Teenagern nicht so selbstverständlich ist.
Und die Kommunikation verlief ebenfalls Problemlos! Ich habe sie am Anfang nur erzählt, das es für mich in der Kommunikation wichtig sei, dass sie nicht zu schnell und deutlich reden sollten. Und genau das haben sie auch gemacht. Wenn sie mit mir sprachen, haben sie mich sogar angeguckt, einen Spur langsamer und deutlicher geredet. Auch haben sie, als sei es selbstverständlich, Sachen wiederholt.
In Kurzem: sie akzeptieren meine Hörbeeinträchtigung als sei es die normalste Sache der Welt.
Obwohl es ein bisschen voreingenommen klingt (und das ist es natürlich auch ), kann ich nur sagen, das die Beiden wohl zur Beispiel vieler gut hörenden Erwachsenen dienen können.

Erziehung und Umfeld haben zwar einen sehr grossen Einfluss auf der Entwicklung der Kinder, sind aber noch keine Garantie dafür, dass sie zu Menschen heranwachsen, die jeden so akzeptieren, wie er ist. Aber wie ein altes Sprichwort schon sagt, «Jung gelernt, Alt getan», ist es wichtig die junge Generation zu sensibilisieren. Das sie früh lernen, dass Menschen mit einer Beeinträchtigung oder Behinderung nicht anders sind als andere Menschen, sondern sich selbst.
Dass man mit gegenseitigem Respekt und ein wenig Rücksicht füreinander prima zusammenleben kann.

In diesem Rahmen, habe ich ich mich vor ein paar Monate bei ProCap, der grösste Mitgliederverband von und für Menschen mit Behinderungen in der Schweiz, angemeldet für ein Sensibilisierung Projekt in Schulen, Ausbildungsinstituten und Firmen und freue mich schon auf die viele Begegnungen.

Und unsere junge Gäste? Wir haben sie wieder heil bei ihren Eltern abgeliefert und freuen uns das sie nächstes Jahr noch mal zurückkommen möchten. Die Einladung steht.