Renee Iseli - Smits in Artikel auf Deutsch, beBee auf Deutsch Author of "Ik ben slechthorend, nou en?" • Writer Jul 5, 2019 · 1 min read · ~100

"Vom Akustiker gehört"

In dieser Rubrik hält das Akustiker Team Sie auf dem Laufenden in Sache Technik, Beratung, Umgang mit Hörgeräte und persönliche Erfahrungen im Beruf eines Akustikers.

Das Akustiker Team besteht aus 2 Akustikerinnen und Oscar, ihr Mental Coach auf 4 Pfoten.

"Vom Akustiker gehört"

Wie sieht mein Alltag als Hörgeräteakustikerin aus? Wie der Umgang mit den Kunden?

Die bestellten In-dem-Ohr Hörgeräte sind geliefert und ich kann wie vereinbart meinen Kunden informieren, dass wir den Termin für die Anpassung vereinbaren können. Ich wähle seine Telefonnummer. Seine Gattin nimmt ab und so trage ich mein Anliegen vor und frage, ob sie mich weiter verbinden könne.

Da ihr Gatte im Moment kaum etwas versteht, da er eines seiner Hörsysteme verloren hat, schlägt sie vor, mit mir den Termin zu vereinbaren. Sie sei sehr froh, dass die Geräte endlich da sind. Ihr Mann verstehe mit nur einem Hörgerät nicht und manchmal müsse sie ihn anschubsen, damit er auf sie reagiere.
Aufgrund des Untertones, der in ihrer Stimme mitschwingt, sage ich „ich hoffe Sie schubsen ihn liebevoll an“. „Nicht immer!“ ist die ehrliche Antwort.
Es sei im Moment kompliziert, da Kommunikation kaum möglich ist. Ohne, dass mir mehr erzählt wird, sehe ich vor meinem geistigen Auge die Situation.
Der Hörsystemträger und seine guthörende Partnerin stossen beide an ihre Grenzen. Eine gewisse Hilflosigkeit, Unverständnis, der Vergleich – früher hat er es doch verstanden. Es gibt dafür zahlreiche Gründe.

Hier liegt ein grosser Unterschied zu uns als Akustiker. Ich habe meinen Kunden schwerhörig kennengelernt. Ich mache keinen Vergleich in früher/heute. Ich habe das Ton- und Sprachaudiogramm ermittelt und sehe so, wie die Basis aussieht. Was ist möglich und was nicht mehr. Ganz objektiv.
Den Kunden so zu nehmen, wie er ist, ist für uns unser tägliches Brot. Sicher, jeder hat ein anderes Empfinden, das ist immer subjektiv gefärbt.

Im gemeinsamen Gespräch achte ich darauf, dass ein ruhiges Umfeld herrscht. Es sei denn ich möchte gezielt mit Umgebungsgeräuschen arbeiten. Ich schaue meinen Kunden an, vis à vis, spreche langsam, deutlich. Nein, ich schreie ihn nicht an. Das habe ich ohnehin noch nie verstanden, warum das jemand tut – das nur nebenbei.